In Stein gemeißelt – In Gips gegossen

Historische Gipsabgüsse des Altorientalischen Instituts der Universität Leipzig

Eine Ausstellung im Ägyptischen Museum der Universität „Georg Steindorff“ vom 25.1. bis 27.5.2018.


Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal der Öffentlichkeit die über 100 Jahre alten Gipsabgüsse wichtiger Denkmäler aus den Kulturen des Alten Orients. Neben ihrem didaktischen Wert belegen die Kopien vor allem das frühe und intensive Interesse an fremden Welten in Leipzig. (Zur vollständigen Broschüre)

Als in der Renaissance die Antike wiederentdeckt wurde, begann das systematische Abgießen von antiken Bildwerken aus Griechenland und Rom. Im 19. Jahrhundert boomte dann das Geschäft mit Gipsabgüssen. Außer in Privatbesitz stellte man sie in für jedermann freizugänglichen Sammlungen aus. Mit der Entdeckung der altorientalischen Kulturen und den Ausgrabungen in den assyrischen Residenzen um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch Kopien von Werken vorderasiatischer Denkmäler vor allem in Universitätssammlungen beliebt.

Während die Ankäufe des Antikenmuseums der Universität Leipzig aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts heute verschollen sind, überlebten die Kopien des Altorientalischen Institut (damals Semitistisches Institut) aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Bombenangriffe des II. Weltkriegs. Aber die zahlreichen Umzüge des Instituts haben die Gipse, die teilweise anderweitig aufbewahrt werden mussten, stark beschädigt. Sukzessive werden sie nun restauriert.

Das Institut beherbergt heute einen Abguss des weltbekannten Kodex des babylonischen Königs Hammurapi, eine 2,25 Meter hohe Stele mit der ältesten Gesetzessammlung der Welt aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. Zudem existiert eine Kopie der berühmten Gudea-Statue (um 22. Jh. v. Chr.). Beide Originale befinden sich im Louvre; Gussmarken belegen die Herstellung der Kopien in Paris um 1900. Andere Abgüsse stammen von Reliefs aus der sagenumwobenen und in der Bibel genannten Stadt Ninive des assyrischen König Assurbanipal (7. Jh. v. Chr.). Sie wurden etwa 1910 bei der international führenden Gipsgießerei D. Brucciani & Co London erworben, wie die Signaturen verraten.

Im Wintersemester 2017/18 fand im Altorientalischen Institut eine Lehrveranstaltung statt, in der die Studierenden zusammen mit der Vorderasiatischen Archäologin und Ausstellungsmacherin Prof. Dr. Ellen Rehm die Studio-Ausstellung zu den Gipsen vorbereiteten.

Die Staatlichen Kunstsammlungen der Stadt Dresden geben aus ihrer alten Gipsformerei als Leihgabe eine Gussform der Gudea-Statue. Eine einzigartige Präsentation, denn noch nie waren Form und Abguss zusammen zu sehen. Auch die Universität Jena beteiligt sich mit Abgüssen aus ihrer weltweit bekannten Hilprechtsammlung.

Prof. Dr. Michael Streck, der Leiter des Altorientalischen Instituts, freut sich sehr, die Abgüsse mit ihrer wechselvollen und interessanten Geschichte der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Sie sind eng verbunden mit dem Fach der Altorientalistik, das sich als eigenständige wissenschaftliche Disziplin in Leipzig zum ersten Mal etablierte und sich danach zur führenden Forschungsstätte weltweit entwickelte. (Pressetext)

Schauen Sie auch in die Broschüre zur Ausstellung!